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 oder

 Was Lehrerinnen und Lehrer am Nachmittag tun...

 Da denkt man sich in der Republik doch allenthalben, Lehrer (oder Lehrerin) muss ein schöner Beruf sein, denn: „Lehrer haben vormittags Recht - und nachmittags frei!“. So spricht zumindest der Volksmund. Dass das jedoch nicht immer so stimmt, beweisen Lehrerinnen und Lehrer des Eduard-Spranger-Berufskollegs in vielen Arbeitsgruppen, die – man höre und staune – immer nachmittags stattfinden, wenn man die Pädagoginnen und Pädagogen schon zu Hause vermutet. Doch ist natürlich auch Wahres an dem eingangs Gesagten: Lehrerin oder Lehrer zu sein, das ist nach Meinung der befragten Lehrerinnen und Lehrer wirklich ein schöner Beruf!

Mindestens an jedem zweiten Mittwoch trifft sich die Arbeitsgruppe für die Umsetzung der neuen Lehrpläne und Richtlinien für die Bildungsgänge des Einzelhandels. Heuer ist das zwanzigste Treffen im laufenden Schuljahr. 11 Mitglieder zählt die Arbeitsgruppe, die Treffen dauern jeweils mehrere Stunden. Nicht gezählt werden von den Mitgliedern dabei die unendlich vielen Stunden in Kleingruppen und die Zeit der heimischen Nacharbeit oder Vorbereitung der Arbeitsergebnisse. „So ein neuer Lehrplan, der macht schon viel Arbeit,“ meint Herr F., seit vielen Jahren für die Berufe Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel und Verkäuferin/Verkäufer tätig, „aber es ist auch unglaublich spannend, wie die neuen Anforderungen in der Berufsschule umgesetzt werden können. Das alte Ausbildungskonzept war schließlich seit Jahren überholt!“ Frau M. ergänzt: „Mit gefällt besonders der Austausch zwischen den Kollegen. Lehrer waren ja früher Einzelkämpfer, aber heute arbeiten wir zusammen und helfen uns gegenseitig.“

In der Arbeitsgruppe finden sich tatsächlich alle Altersschichten und Berufserfahrungen. Der Studienreferendar, der sich noch in der Ausbildung zum ‚vollwertigen’ Lehrer befindet sitzt hier neben dem jungen Lehrer und dem altgedienten, erfahrenen Kollegen. Selbst Lehrer, die sich nahe der Pensionsgrenze befinden und nur noch wenige Monate Dienst tun werden, kommen gern zu den Treffen. „Ich lerne noch jede Menge dazu,“ sagt Herr W., der bereits in 18 Monaten pensioniert wird. „Ein ganzes Berufsleben im Einzelhandel, da muss ich natürlich auch bei den neuesten Entwicklungen dabei sein!“ „Und wir benötigen dringend Ihre Erfahrung!“, versichert Frau T., „Erfahrung ist bei einem Lehrer durch nichts zu ersetzen!“. Schön zu sehen, dass Lebens- und Berufserfahrung zumindest in der Aus- und Weiterbildung noch etwas wert zu sein scheinen!

Zu dem Gesagten regt sich keinerlei Widerspruch. Alles in Allem scheint sich da ein sehr bunter Haufen zusammengefunden zu haben, jeder unterscheidet sich irgendwie vom Anderen. Vielleicht ist es aber gerade ihre Unterschiedlichkeit, die die Gruppe zusammenhält. „Als wir vor mehr als einem Jahr mit der Arbeit begannen, dachte ich noch nicht, dass sich so viele Kolleginnen und Kollegen so lange für die Arbeit begeistern würden. Über diese Entwicklung bin ich sehr froh.“, meint Herr M., der erst seit kurzer Zeit die Verwaltungsarbeit für den Einzelhandel in der Schule übernommen hat. „Eine Schule lebt, genau so wie jede Art von Ausbildung, von dem Einsatz der in dem Bereich arbeitenden Kollegen. Schule und die schulische Ausbildung ist nur so gut, wie das unterrichtende Team und damit die einzelne Lehrerin bzw. der einzelne Lehrer. Im Einzelhandel konnten wir, so denke ich, von einem bereits bestehendem, hervorragendem Team profitieren. Wir sind für die Herausforderungen der Zukunft bestens gerüstet! Und: Wir haben Spaß!“ Sagt er und wendet sich seinen Kolleginnen und Kollegen zu, die bereits wieder heftig über Schaufenstergestaltung, Kaufvertrag und volkswirtschaftliche Grundlagen diskutieren. Und dabei lachen sie.

So funktioniert also die Arbeit in einer Arbeitsgruppe zur Umsetzung neuer Lehrpläne und Richtlinien. Interessant, wie Lehrerinnen und Lehrer ihre Nachmittage verbringen, oder!?