Im Rahmen der Unterrichtslektüre von Georg Büchners
„Woyzeck“ hat der Deutsch-Leistungskurs der AH 12A am Sonntag, den 13. März
die Bochumer Inszenierung des Stückes durch den Jungregisseur David Bösch
besucht. Da die Resonanz auf diese moderne Aufführung unterschiedlich gewesen
ist, sollen hier zwei verschiedene Theaterkritiken, eine positive, eine eher
kritische, die unterschiedlichen Sichtweisen widerspiegeln:
Büchners „Woyzeck“ im Bochumer Schauspiel – Theaterkritik 1
Auch alt ist modern!
Diese These wurde in dem Theaterstück „Woyzeck“,
inszeniert von David Bösch, basierend auf den Niederschriften des revolutionären
Dichters Georg Büchner, der das klassische Drama einmal ganz anders darstellen
wollte, manifestiert. David Bösch unterstützt diesen Grundgedanken Büchners
mit seiner eigenen, modernen Inszenierung des Dramas Woyzeck.
Woyzeck ist ein armer Soldat, der sich für das Nötigste
seine Frau Marie und ihren unehelichen Sohn aufopfert und sich dadurch sogar
ausnutzen lässt. Er lässt sich vom Doktor geistig und körperlich zerrütten,
indem er Monate lange nur Erbsen essen darf und für diverse Experimente benutzt
wird. Nebenbei ist er noch der Stiefelknecht eines höher gestellten Hauptmanns,
welcher ihn demütigt und keinen Respekt erweist. Marie ehrt diese Hingabe nicht
und betrügt ihn mit seinem Vorgesetzten. Woyzeck verfällt in Rage, ist nicht
mehr Herr seiner Sinne und es kommt zum Disput.
Das Stück beginnt mit einer abgedunkelten Bühne. Ein
Mann, gekleidet mit einer Lichterkette, betritt den Saal und leitet das Stück
gekonnt ein. Diese dunkle Atmosphäre baut Spannung auf und man ist gespannt,
was als Nächstes passiert. Im Verlauf der Inszenierung lernt man die
unterschiedlichen Charaktere kennen, welche alle optisch sehr krass mit ihrer
Rolle identifiziert werden. Alle werden mit einem übertriebenen modernen Stil
dargestellt. So weiß der Zuschauer sofort, mit wem er es zu tun hat und wie
sich die einzelnen Charaktere weiterhin verhalten werden. Als Beispiel kann man
den im Rollstuhl sitzenden Hauptmann nehmen, welcher nur in Unterwäsche
gekleidet ist oder auch den Tambourmajor, der der Leiter einer Rockband ist, mit
Gitarre und Unterhemd über die Bühne rennt und ziemlich cool wirken soll.
Das dunkle und leere Bühnenbild harmoniert sehr gut mit
den Charakteren und es ist trotz großer Leere viel Leben auf der Bühne. Diese
seltene Verwendung von Requisiten wird in der ganzen Inszenierung beibehalten
und beeinträchtigt die Atmosphäre nicht im Geringsten. Ebenfalls wird das
ganze Theaterstück auf eine dunkle und kalte Atmosphäre gesetzt, um den
Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.
Durch die Modernisierung wird ebenfalls das
Publikum direkter angesprochen, als wenn nur stupide das Originalstück
rekonstruiert wird. Dies wird einerseits durch fantasievolle und überraschende
Ideen von David Bösch unterstrichen, welcher einige Szenen etwas umgestaltet
hat und einige neue Einfälle einbaute, um die Geschichte ineinander zu verknüpfen,
als nur abgetrennte Szenen darzustellen. Anderseits stehen die schon erwähnten
übertrieben dargestellten Charaktere mit ihren Haltungen und überdeutlichen
optischen Darstellung für eine auf unsere Zeit bezogene Inszenierung.
Auch die Hintergrundmusik ist wie für das Stück
gemacht. Manchmal sanfte und berührende Töne und manchmal knallharter Bass,
wenn zum Beispiel der Tambourmajor mit seiner Rockband auftritt. Da ist man als
Zuschauer erstmal geschockt und muss versuchen den Überblick zu bewahren. Aber
auch dies zeigt Aspekte der modernen Inszenierung.
Alles in allem kann man sagen, dass die modern
ausgelegte Inszenierung des Dramas Woyzeck sehr gut umgesetzt wird.
Schauspieler, Charaktere, Musik und Atmosphäre harmonieren miteinander und
bieten dem Zuschauer ein abwechslungsreiches Theaterstück mit Schockmomenten
und Überraschungen. Es ist zu empfehlen sich selbst ein Bild über diese
Inszenierung zu machen, um selbst beurteilen zu können, ob auch alt, modern
sein kann.
Dominic Brüggemann und Kevin Adrian, AH12A
Büchners
„Woyzeck“ im Bochumer Schauspiel – Theaterkritik 2
Modern? -Ja!!
- Zu viel kreative Freiheit? - Nein DANKE!!
Das Theaterstück „Woyzeck“, geschrieben
von Herrn Büchner (1836) und
inszeniert von David Bösch (2011), konnte mich in der Bochumer Inszenierung
leider nicht überzeigen. Zwar war der Auftakt des Stückes sehr gut gewählt,
wurde aber leider nicht genug hervorgehoben. Herr Bösch hatte interessante
Ideen bei der Bühnengestaltung, so sah der Zuschauer über der Bühne ein großes
Loch mit Sternen. Dieses Loch zog sofort die Aufmerksamkeit des Publikums auf
sich. Es stand als Symbol der „Freiheit“, da jeder der Figuren zu diesem
Loch hinaufwollte, sozusagen als letze Rettung aus dem Elend. Sonst war
das Bühnenbild recht schlicht gestaltet, man sah Staub und Dreck. Das Licht auf
der Bühne war meistens sehr düster und dunkel, was gut zu der Stimmung des
Entstehungszusammenhangs passte. Doch leider war dies auf schon fast das
Positivste, was man meiner Meinung nach zu diesem Stück sagen konnte.
Die Schauspieler waren nicht passend oder nur teilweise passend gewählt. So
musste man sich an die sehr lauten auffälligen Auftritte des Tambourmayors erst
einmal gewöhnen. Doch erschien einem dieses erst völlig fehl am Platz,
bemerkte man schlussendlich dass gerade dies den Charakter des Tambourmajors
zeigt und er einem auffällig gut im Gedächtnis blieb. Nun leider trug der
Tambourmajor sehr dunkle Kleidung und war sehr düster geschminkt. Also nicht
gerade der typische große
gutaussehende Frauenschwarm, wie Büchner ihn uns
beschreibt.
Auch entsprach der Hauptmann gar nicht den Vorstellungen meinerseits. Es scheint
in dem Stück nicht so, als ob Woyzeck Respekt vor ihm hätte, oder auf sein
Geld angewiesen wär. Eher scheint es einem, der krüppelige, hilflose Hauptmann
sei auf Woyzeck angewiesen. Woyzeck verhält sich sehr respektlos dem Hauptmann
gegenüber, was die Beziehung der beiden zueinander anders darstellt als in dem
Werk von Büchner.
Als einzige Schauspielerin gut ausgewählt wurde die Marie, da sie eine
selbstbewusste Frau darstellte. Sie trug auffallende Kleidung und hatte
knallrote Lippen, was gut die Aufmerksamkeit auf sie zog. Das Publikum war also
genauso von Marie fasziniert, wie die damalige Männerwelt.
Trotzdem wurde das Stück viel zu überspitzt gespielt. Die Beziehung von Marie
und dem Tambourmajor wurde mehrmals dem Zuschauer vorgeführt und viel zu sehr
ins fast schon Lächerliche gezogen. So wird die eigentliche Schwäche des
Tambourmajors einfach dadurch dargestellt, dass er beim Liebesakt keinen hoch
bekommt. Eine sehr banale Art dies
darzustellen. Der innerliche Verfall Woyzeck wurde mir leider nicht deutlich
genug dargestellt. Zwar sah man nach und nach, wie sein Leben zerbrach, aber
Woyzeck stand gleichgültig daneben. Statt immer verrückter zu erscheinen,
wirke Woyzeck immer weniger von seinem Schicksal mitgenommen. Schlussendlich
sagte er zu den Stimmen sogar einfach nur: „Okay
dann bring ich halt die Marie um“. Der emotionale Verfall wurde nicht gezeigt
an dieser Stelle.
Man hätte grundliegende Dinge nicht so zwanghaft modernisieren sollen.
Der Tod von Marie wurde wenig eindrucksvoll dargestellt, da erst ganz am Ende
Woyzecks geistiger Zustand endlich einmal deutlich gemacht wird, wenn er nach
dem Mord ganz normal mit Marie spazieren gehen will.
Doch leider war der eigentliche Mord ein „ganz normaler“ Mord, wenig gefühlsreich
oder gar so dargestellt, als handle Woyzeck in Trance oder im Wahn.
Viele Szenen wurden verändert oder sogar gar nicht mit reingenommen.
Meiner persönlichen Meinung nach, ein völlig unnötiger Schritt, den
Herr Bösch da getätigt hat. Schließlich
war Büchners Szenenreihenfolge und Szenenbeschreibung einwandfrei gut.
Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen gute Ansätze, aber leider nicht gut
weitergeführt.
Maira-Lee
Lindtner, AH 12A
Impressionen
von der Aufführung: