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Schulprogramm

zu den Informationen über den Namensgeber des Eduard-Spranger-Berufskollegs

Schulprogramm

des Eduard-Spranger-Berufskollegs  

Inhaltsverzeichnis

 

1. Rahmenbedingungen

2. Schulentwicklung

3. Evaluation

1.1 Schulstruktur

2.1 Leitbild

1.2 Externe Arbeits- und Dialogstrukturen

2.2 Schulprogramm

2.2.1 Beratung

2.2.2 Erziehung

2.2.3 Unterrichtskonzepte

2.2.4 Lehrerfortbildung

2.2.5 Qualitätssicherung

2.3 Schulprofil

 

Vorwort

Das nachfolgend skizzierte Schulprogramm konkretisiert die Selbstverpflichtung des Eduard-Spranger-Berufskollegs, verantwortungsvolle Bildungs- und Erziehungsarbeit zu leisten, und zwar im Konsens mit allen internen und externen Schulakteuren.

Im Rahmen einer "Reform von unten" steht damit das Eduard-Spranger-Berufs-kolleg einem Innovationsprozess positiv gegenüber, der eine qualitätsorientierte Selbststeuerung der Schule als Reformziel postuliert.

Das vorhandene Innovationspotenzial an einer Schule kann aber nur dann zu einem gewollten, gesteuerten Entwicklungsprozess führen, wenn alle diese zweckgerichteten Maßnahmen auf einem umfassenden Schulprogramm basieren: Dieses Schulprogramm wird laut MSWWF (jetzt MSW) interpretiert als ein "Rahmen, in dem die Schule ihre pädagogische Verantwortung für die eigene Entwicklung und die Qualität ihrer pädagogischen Arbeit wahrnimmt. Sie legt darin auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme die Ziele ihrer Arbeit in Unterricht, Erziehung, Beratung und Betreuung fest."[1]

Mit diesem dynamischen Schulprogramm bündelt das Eduard-Spranger-Berufskol-leg als Teil des 115-jährigen kaufmännischen Schulwesens in Gelsenkirchen seine Leitideen für die Zukunft, und zwar ohne die Tradition zu verwerfen, die mit dem Namensgeber Eduard Spranger verbunden ist.

Nach Spranger sind Bildung und Wirtschaft eng miteinander verbunden. Wir verstehen dies als Ausgangspunkt für die Bestimmung eines auch modernen Bildungsauftrags, nach dem Persönlichkeitsentwicklung und Vorbereitung auf die Arbeits- und Berufswelt keinen Gegensatz bilden, sondern sich gegenseitig ergänzen. In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass die Wirtschaft auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen ist, die die  bestehende Praxis nicht nur kompetent verstehen, sondern sie auch kritisch befragen und gestalterisch  weiterentwickeln können.

Am 30. Oktober 1997 wurde abschließend zwischen den Schulträgern und den damaligen beruflichen Schulen und Kollegschulen in der Emscher-Lippe-Region ein gemeinsames Positionspapier zur Realisierung der weiteren fortzuschreibenden Schulentwicklungsplanung verabschiedet.

Dabei wurde insbesondere die strukturpolitische Eingliederung der Berufskollegs in das regionale Bildungsnetzwerk beachtet. Die Einbindung in die Fortschreibung des Emscher-Lippe-Entwicklungsprogramms ist die logische Folge.

Seit dem 15.03.2005 sind auch die Zielvereinbarungen „Gemeinsam für die Region (Die Emscher-Lippe-Region zu einer Region der Bildungsförderung weiterentwickeln)“ zu berücksichtigen. Sie spiegeln sich in der Arbeit des Arbeitskreises Lernförderung (GE-stalten) wider. Das ESBK ist in das städtische Projekt „Lebenslanges Lernen in Gelsenkirchen: Übergang GE-stalten  - individuell gestalten -“ eingebunden. Hier gilt es insbesondere, sich der Steigerung der Bildungsqualität und des Bildungserfolges verpflichtet zu fühlen.

Mit dieser Entwicklung stabilisiert sich eine neue Philosophie der Schulen, nachfrageorientiert und systemkonform als Bildungsakteur zu agieren.

Dokumentiert wurde die Entwicklung des Eduard-Spranger-Berufskollegs durch die Erarbeitung eines ganzheitlichen Managementansatzes zur Förderung der Bildungs- und Erziehungsarbeit unter Berücksichtigung des Spannungsfeldes zwischen pädagogischer Schulentwicklung und Organisationsentwicklung sowie Einbeziehung der Selbst- und Fremdevaluation.

Dieser Ansatz versuchte auf der Basis einer Standortbestimmung und einer Erfassung und Auswertung von Leitdaten die Weiterentwicklung der Schule durch eine Kooperation im weitesten Sinne zu fördern; Sinnbild für diese Konzeption war eine “Bildungsrakete”, die von den Aggregaten “Motivation”, “Innovation” und “Reflexion” (MIR) angetrieben wurde. An dieser Entwicklung waren alle Akteure beteiligt, die direkt oder indirekt Einfluss auf das Schulleben am Eduard-Spranger-Berufskolleg nehmen konnten.

Neue Herausforderungen entstehen durch die Schule im Wandel, Übernahme von Eigenverantwortung in unterschiedlichen Handlungsfeldern, z. B. Unterrichtsentwicklung, und zwar losgelöst von der Nichteinbindung in den Modellversuch Selbständige Schule.

Eine konsequente Weiterentwicklung dieser Gedanken führte schließlich zu der Konzeption des vorliegenden Schulprogramms.

Wie wirkungsvoll ein Schulprogramm auf Dauer sein wird, hängt auch von der Einhaltung der Selbstverpflichtung als Leitlinie für das tägliche eigene Handeln ab.

In seiner Wechselwirkung bedingt dies eine ständige Überarbeitung des Schulprogramms, ausgehend von seiner ersten Fassung aus dem Schuljahr 1999/2000. 

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1.     Rahmenbedingungen

1.1      Schulstruktur  

Das Eduard-Spranger-Berufskolleg hat Überlegungen angestellt, wie insbesondere vor dem Hintergrund des EU-Binnenmarktes und EU Politikfeld: Berufsbildungspolitik und Qualifizierung - EU-Aktionsplan: Schaffung eines europäischen Raumes für lebenslanges Lernen den ansteigenden Anforderungen der Gesellschaft und Wirtschaft durch eine qualifizierte Berufsvorbereitung, Berufsausbildung und Weiterbildung entsprochen werden kann.

Einbezogen in die bildungspolitische Bedürfnisprüfung wurden die regionalen wirtschaftlichen und bevölkerungsstrukturellen Gegebenheiten im Regierungsbezirk Münster im engeren, des Landes Nordrhein-Westfalen im weiteren Sinne. Dabei wurde auch festgestellt, dass die Berufskollegs keine grundsätzliche schulische Selektionsinstanz sein dürfen bzw. können. Beachtet wurde auch die mögliche Identitätsentwicklung und die Hinwirkung auf eine selbstverantwortliche Lebensplanung der potenziellen Schülerinnen und Schüler.

Das aktuelle Bildungsangebot umfasst folgende Bildungsgänge:

Vollzeitschulformen

-     Dreijährige Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung - Allgemeine Hochschulreife (Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen) - (Wirtschaftsgymnasium) gem. Anlage D 27 der APO-BK

-     Zweijährige  Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung -erweiterte berufliche Kenntnisse und Fachhochschulreife – (Höhere Handelsschule) gem. Anlage C der APO-BK

 -     Zweijährige Berufsfachschule für Wirt­schaft und Verwaltung – berufliche Grundbildung und Fachoberschulreife -  (Handelsschule) gem. Anlage B der APO-BK

-     Berufsgrundschuljahr für Wirtschaft und Verwaltung - Schwerpunkt "Absatzwirtschaft und Kundenberatung" gem. Anlage A der APO-BK

Teilzeitschulformen (Kaufmännische

Berufsschule) gem. Anlage A der APO-BK

 Drei- bzw. zweijährige Ausbildungsberufe im dualen System

-     Bürokauffrau/Bürokaufmann

-     Kauffrau/Kaufmann im Einzelhandel

-     Verkäuferin/Verkäufer

 Bezirksfachklassen

-     Medizinische Fachangestellte/Medizinischer Fachangestellter

-     Automobilkauffrau/Automobilkaufmann

-     Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte/Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter

-     Zahnmedizinische Fachangestellte/ Zahnmedizinischer Fachangestellter

 Weiterbildung

-     Fachschule für Wirtschaft gem. Anlage E der APO-BK

- Fachrichtung "Betriebswirtschaft",   Schwerpunkt "Absatzwirtschaft"

- Dauer: drei- bzw. vierjährig in Teilzeit

- Abschluss: Staatlich geprüfter Betriebswirt/Staatlich geprüfte Betriebswirtin

 

Schuljahr 2009/2010:

 

Das Eduard-Spranger-Berufskolleg hat in Verbindung mit dem Schulträger Kooperationsverträge mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe abgeschlossen, um die Lernortkooperation im dualen System zu intensivieren und die Weiterbildung der Arzthelferinnen bzw. Medizinischen Fachangestellen und Zahnmedizinische Fachangestellten lehrgangsmäßig zu begleiten.

Die Schulentwicklungsplanung des Eduard-Spranger-Berufskollegs bezieht die berufliche Qualifizierung mit ein und ist in Interdependenz zu der regionalen Wirtschafts- und Strukturpolitik zu sehen.

Dies führt zur folgenden Planung der Ergänzung der Bildungsangebote:

·        Besondere Lehrgänge zur Förderung von Ausbildungsabbrechern. Mit dem Lehrgang soll den Jugendlichen, die die Berufsabschlussprüfung im theoretischen Teil nicht bestanden haben, eine Möglichkeit der Wiederholung  der Unterrichtsinhalte und der Berufsabschlussprüfung eingeräumt werden.

·        Zusatzqualifikationen in den Fachklassen des dualen Systems (z. B.   Praxismarketing für Arzthelferinnen).

Zur Aufhebung oder Reduzierung des Spannungsfeldes zwischen Ansprüchen der Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Technik an die erweiterte pädagogische Arbeitswelt und die bildungsökonomischen Kenngrößen ist es erforderlich, die laufende und künftige Qualifizierungsarbeit am Berufskolleg zu sichern und zu steigern.

Dies betrifft die personellen Voraussetzungen ebenso wie die apparativen Anschaffungen und die didaktische Arbeit (Lernfeldkonzeption) des Eduard-Spranger-Berufskollegs.

 

·        Personen:                                         

Eine abgestimmte Schulprofilbildung erfordert eine konsequente Personalentwicklungsplanung und Umsetzung sowie eine Förderung der fachlichen und didaktischen Kompetenzen aller Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Entsprechend den zuvor aufgezeigten Modifikationen des Bildungsangebotes werden Lehrerfortbildungsmaßnahmen in den entsprechenden Bereichen erforderlich.

Mit Blick auf die Lehrbefähigung und die Altersstruktur der am Eduard-Spranger-Berufskolleg tätigen Lehrkräfte sowie mit Blick auf die beabsichtigten Modifikationen der Bildungsangebote werden weiterhin Neueinstellungen zu realisieren sein.

 ·        Sachen:

Der Ausstattungsaufwand ist in Abhängigkeit von Schulprofil und Schulentwicklungsplanung zu definieren. Angesichts der erforderlichen Bündelung knapper Ressourcen und neuer didaktischer Modelle sind ständig neue Ausstattungs- und Finanzierungskonzepte fortzuschreiben.

Der strukturelle Wandel in der Wirtschaft sowie die Modifikation der bewährten Ausbildungsberufe erfordern eine permanente Anpassung der sächlichen Ausstattung an diese Gegebenheiten. Das vorhandene Raumangebot ist unzureichend und soll ab dem Schuljahr 2008/2009 durch einen Anbau erweitert werden. Hierbei ist insbesondere der zunehmenden Bedeutung der neuen Technologien Rechnung zu tragen.

Modernisierungen der Fachraumausstattung sind für die Bereiche der Datenverarbeitung mit erster Priorität zu realisieren. Ebenfalls sind ergänzende Investitionen im Bereich der medialen Ausstattung erforderlich.

 ·        Konzepte:

Die Optimierung der Unterrichtsorganisation hat nicht nur über eine Unterrichtsversorgung und die Ausstattung zu erfolgen, sondern auch konzeptionell. Dabei müssen fachliche und didaktische Kompetenzen nicht nur im eigenen Berufskolleg, sondern in der Region entwickelt und abgestimmt werden. Ziel müssen differenzierte und vielseitige regional abgestimmte Bildungsangebote sein, die effizient und bildungsökonomisch sinnvoll sind.

Dies führt zum Aufbau einer regionalen Bildungslandschaft mit den Berufskollegs als Kompetenzzentren.

Curriculare Arbeiten sind vom Kollegium des Eduard-Spranger-Berufskollegs in erster Linie da zu leisten, wo landeseinheitliche Vorgaben nicht existieren, oder aber diese durch regionalspezifische Aspekte ergänzt werden müssen. Hierzu zählen vor allem die Zusatzqualifikationen in den Fachklassen des dualen Systems.

Auf die Veränderung in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft reagieren wir u. a. mit der Beteiligung an Modellversuchen und Modellmaßnahmen um rechtzeitig das Berufsanforderungsprofil von Lehrkräften und die Unterrichtsqualität anzupassen (z. B. Kultur unternehmerischer Selbstständigkeit in der Berufsbildung (KUS), Modelle des selbst gesteuerten und kooperativen Lernens und die notwendigen Veränderungen in Bezug auf die Organisations- und Personalentwicklung (MOSEL), Zukunft der Bildung im Strafvollzug des Landes NRW (ZUBILIS)).

   Unterrichtsstruktur

Innerhalb der Vollzeitschulform erhalten die Schülerinnen und Schüler durchschnittlich 32 Wochenstunden Unterricht pro Klasse. In den Berufsschulklassen beträgt das Unterrichtsangebot in der Regel 12 Wochenstunden. Der Unterricht wird im Schuljahr 2007/2008 von 55  Vollzeit-, 14 Teilzeit- und 9 nebenberuflichen Lehrkräften erteilt.

In der Unterrichtsführung achten alle Lehrkräfte auf eine angemessene Methodenvielfalt zur Motivation der Schülerinnen und Schüler und zur Erfüllung der Unterrichtsziele. Hierzu nutzen sie die in den SchiLF (03.08.2007 und 03.09.2007) erarbeiteten Förderkonzepte.

Im Schuljahr 2007/2008 besuchten insgesamt 1824 Schülerinnen und Schüler das Eduard-Spranger-Berufskolleg. Davon wurden 1078 Schülerinnen und Schüler in der Teilzeit-Berufsschule unterrichtet, 656 Schülerinnen und Schüler in Vollzeitklassen und 90 Schülerinnen und Schüler in der Fachschule für Wirtschaft in Teilzeitform. Insgesamt besuchen 306 ausländische Schülerinnen und Schüler aus 20 Staaten das Berufskolleg.

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1.2      Externe Arbeits- und Dialogstrukturen

Sie ergeben sich aus den rechtlichen Vorgaben, den regionalen Besonderheiten, u. a. den Modellversuchen und dem Beziehungsgefüge Schulträger, Stadt Gelsenkirchen und Bezirksregierung Münster. Beispielhaft sind hier Mitgliedschaften in Ausbilderarbeitskreisen und Berufsbildungsausschüssen der Kammern zu benennen sowie die Teilnahme über Gelsenkirchener Beratungsnetzwerk (GeBeNet) im Rahmen der lernenden Region Emscher-Lippe.

Am 25.04.2005 fand in Gelsenkirchen die landesweite Tagung „Lernen individualisieren, Beraten und Fördern“ statt. Daraus entwickelte sich ein Arbeitskreis der auch die GeBeNet-Aspekte berücksichtigt. Eine Analyse zur Lernförderung in Gelsenkirchen wurde durch das Eduard-Spranger-Berufskolleg erstellt. Am 10.01.2006 wurde im Eduard-Spranger-Berufskolleg diese Auswertung der Ist-Analyse vorgestellt.

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2.     Schulentwicklung

2.1      Leitbild

Die tägliche Arbeit am Eduard-Spranger-Berufskolleg ist geprägt durch ein Leitbild, das allen am Schulleben Beteiligten langfristig sinnhaftes Handeln ermöglichen soll. Die Grundlagen für eine erfolgreiche Teamarbeit zwischen Lehrerinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern, Erziehungsberechtigten und dualen Partnern sind Freude an der Arbeit, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen und Kooperationsbereitschaft.

Auf dieser Basis wird mit Hilfe von gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz im Rahmen von allgemein verbindlichen Eckpunkten eine Erweiterung der Lebenschancen für die Schülerinnen und Schüler angestrebt.

Hierbei sollen auch gleichstellungsrelevante Aspekte im Sinne eines Gender Mainstreamings Berücksichtigung finden. Gender Mainstreaming wird dabei als Auftrag verstanden, die unterschiedlichen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern von vornherein zu berücksichtigen, um das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern effektiv verwirklichen zu können. Gleichstellung und Chancengleichheit von Frauen und Männern, Mädchen und Jungen, sind zukunftsorientierte Leitgedanken, die den Blick auf geschlechterspezifische Kommunikationsstrukturen und Unterrichtskonzepte fördern und den Handlungsrahmen als Entwicklungsprozess aktiv mitgestalten werden.

Das Eduard-Spranger-Berufskolleg steht für ein dynamisches System zur Errichtung und Förderung von beruflichen Qualifikationen auf der Basis klar strukturierter Bildungsgänge. Die Arbeit in und an diesem System ist ausgerichtet an vier Eckpunkten:

 

- Beratung

- ERziehung

- Unterricht

- Fortbildung

- Evaluation und Qualität

B

ER

   U

      F

         E

 

BERATUNG steht für eine Schule, die durch "Erarbeitung und Umsetzung neuer Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungskonzepte für Schüler, Eltern und Ausbilder" den Lernprozess effektiver gestalten will und damit einen Beitrag zur Persönlichkeitsentfaltung der Schülerinnen und Schüler zu leisten versucht. Diese Beratung umfasst ein geschlechterspezifisches Vorgehen. Um ein möglichst abgestimmtes Vorgehen zu erreichen, wird eine verstärkte Kooperation mit den allgemeinbildenden Schulen, der Agentur für Arbeit und de Wirtschaft durchgeführt

ERZIEHUNG wird als Gesamtprozess zur Unterstützung im Sinne von Persönlichkeitsförderung der Schülerinnen und Schüler verstanden. Besonderer Wert wird auf eigenverantwortliches Handeln gelegt. Dazu gehören vor allem die Entwicklung, Kenntnis und Umsetzung von Verhaltensregeln (Primärtugenden), die ihren Niederschlag auch in der Benotung von Arbeits- und Sozialverhalten finden.

UNTERRICHT soll verständlich machen, dass das Eduard-Spranger-Berufskolleg auf die "Erarbeitung und Erprobung schuleigener geschlechterbewusster Curricula und Unterrichtsmethoden (Handlungsorientierung) auf der Basis bestehender Lehrpläne und Richtlinien" besonderen Wert legt. Dieser Eckpunkt wird als Basis eines permanenten Innovationsprozesses verstanden.

FORTBILDUNG basiert auf der Erkenntnis, dass Innovation eine Aktualisierung des Wissensstandes bei den Lehrenden voraussetzt. Die "Erstellung und Durchführung schulinterner Lehrerfortbildung zur Verbesserung des Berufsan-forderungsprofils der Lehrkräfte" - abgestellt auf die bildungsgangtypischen Besonderheiten - stellt einen strukturimmanenten Bestandteil der pädagogischen Arbeit dar. Dabei ist Gender als Leitgedanke in die schulinterne Lehrerfortbildung zu integrieren. (siehe Punkt 4: Perspektiven)

EVALUATION und QUALITÄT bedeuten, dass alle Vorgaben des Leitbildes, des Schulprogramms und des Schulprofils keine isolierten Größen darstellen, sondern dass diese Postulate in einem permanenten, wechselseitigen Beziehungszusammenhang stehen. Die "Entwicklung von Evaluationskriterien als Beitrag zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung" ist der Motor des dynamischen Systems 'Berufskolleg' und damit ebenfalls ein Auslöser des Innovationsprozesses. Hierzu nahm das ESBK an der Bildungs- und Sozialraumanalyse der Ruhr-Universität Bochum teil.

Eine Aufgabe der Evaluation ist es für Gender zu sensibilisieren und entsprechende Konzepte zu entwickeln. (Fragebogen an Bildungsgänge)

Eine Verwirklichung und Ausgestaltung des Leitbildes soll durch das Schulprogramm erfolgen.

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2.2      Schulprogramm

Das Eduard-Spranger-Berufskolleg hat sich, ausgehend von den fünf Eckpunkten, die Ziele (2.2.1 –  5) gesetzt, die in der Zielvereinbarung zwischen der Bezirksregierung Münster und dem Berufskolleg dokumentiert sind.

2.2.1   Beratung

Erarbeitung und Umsetzung neuer Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungskonzepte für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ausbilder

Das Eduard-Spranger-Berufskolleg fördert die beruflichen Handlungskompetenzen in den Bildungsgängen der Berufsschule, der ‚Allgemeinen Hochschulreife, der Berufsfachschule und höheren Berufsfachschule, der Fachschule für Wirtschaft, der Berufsvorbereitung und anderer berufsvorbereitender Maßnahmen.

Leitziel dabei ist u. a. die Erarbeitung und Umsetzung neuer Beratungs-, Betreuungs- und Unterstützungskonzepte für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ausbilder als Elemente des Schulprogramms.

Im Raum der Schule gewinnen Beratungs- und Unterstützungskonzepte zunehmend an Bedeutung. Nicht zuletzt ist dies bedingt durch die steigende Komplexität beruflicher und gesellschaftlicher Anforderungen, die sich in der Schule widerspiegeln, und schwieriger werdende Sozialisationsbedingungen der Jugendlichen. Hierbei bilden u. a. die „kooperativen Erlasse“ den roten Faden.

Inhaltlich werden diese Konzepte am     Eduard-Spranger-Berufskolleg beschrieben:

 ·      Laufbahnberatung

   - vor Aufnahme in die Schule

   - Weiterbildung

·      Bildungsgangbezogene Beratung (Bestandteil der didaktischen Jahresplanung)

   - Förderung der Persönlichkeit

   - Lebenshilfe

   - Beratung zum Abschluss

   - fächerbezogene Beratung

   - Beratung bei Lernschwächen/Verhaltensauffälligkeiten

     (Konzept: GE-holfen).

 Die Umsetzung der Konzepte verlangt

1.      die Kooperation nach APO-BK, insbesondere mit den dualen Partnern, den zuständigen Stellen, den Trägern von Ausbildungsmaßnahmen, den Eltern, der Agentur für Arbeit, dem Schulträger mit den städtischen Dienststellen u. a. Referat Schule, VHS, dem Jugendamt, den Gewerkschaften, den Universitäten/Fachhochschulen, dem Landesinstitut für Qualifizierung, dem Landesinstitut für Schule, den Kirchen, den abgebenden Schulen und anderen Institutionen.

2.      den Ausbau von entsprechenden Beratungsstrukturen im Berufskolleg, z. B. Einrichtung fester Beratungstermine, Wahrnehmung individueller Beratungstermine, Tag der offenen Tür, Infobörsen, Durchführung von Sprechtagen, Beteiligung an „Informationsmessen“ z. B. Gelsenschau, Beruf und Zukunft, Aktionen im Rahmen von Stadtteilarbeit, z. B. 1000 Jahre Buer, Weihnachtsmarkt.

3.      die Weiterführung/Anpassung von Kooperationsstrukturen auf der Grundlage der zwischen Kammern und MSWWF (jetzt MSW) geschlossenen Kooperationsabkommen (IHK, HWK) sowie der zwischen der Zahnärzte- und Ärztekammer und dem Schulträger/der Schule abgeschlossenen Kooperationsverträge.

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2.2.2   Erziehung

wird als Gesamtprozess zur Unterstützung im Sinne von Persönlichkeitsförderung (kreatives Selbstmanagement) der Schülerinnen und Schüler verstanden. Besonderer Wert wird auf eigenverantwortliches Handeln gelegt. Dazu gehören vor allem die Entwicklung, Kenntnis und Umsetzung von Verhaltensregeln (Primärtugenden).

Ein solcher Erziehungsprozess ist die Grundlage für einen Eintritt in die Erstausbildung und für die lebenslange berufliche Entwicklung der Lernenden . Hierbei       übernimmt die Schule die Rolle des Erziehenden als soziale Aufgabe. Die Notwendigkeit entsteht aus dem Spannungsverhältnis von zerbrechenden Familienstrukturen und der gesellschaftlich geforderten Fähigkeit, Potenziale angemessen einzubringen. Wobei das Übergangsmanagement des ESBK zwischen der Sekundarstufe I und II innerhalb der Lernbiografie der Schülerinnen und Schüler einen besonderen Schwerpunkt bildet.

Ausgehend von der Einübung der Primärtugenden erstreckt sich der Prozess über die Verinnerlichung klarer Verhaltensregeln bis hin zur Übernahme von Verantwortung im schulischen Leben.

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2.2.3   Unterrichtskonzepte

Erarbeitung und Erprobung schuleigener Curricula auf der Basis gegebener Richtlinien und Lehrpläne im Bereich von Lernsituationen.

Berufliche Handlungskompetenz kann mit Hilfe von Lernsituationen entwickelt und gefördert werden. Lernsituationen sind problemträchtige Abbildungen der Realität, die bei den Schülern einen Handlungsbedarf auslösen und zur Erlangung von Fach-, Sozial-, Methoden- und Humankompetenzen beitragen. So können z. B. anhand einer Lernsituation, die sich mit der Einstellung neuer Mitarbeiter in einem Modellunternehmen beschäftigt, nicht nur betriebswirtschaftliche Fragestellungen zum Arbeitsrecht oder zur Finanzbuchhaltung geklärt, sondern auch Teamfähigkeit, Präsentationsfähigkeit und Selbstdarstellungsfähigkeit erweitert werden.

Diese Lernsituationen wurden in den Bildungsgängen des Berufskollegs erarbeitet, durchgeführt und evaluiert. Ziel ist dabei fächerübergreifendes Arbeiten über einen längeren Zeitraum hinweg.

Die Entwicklung von Lernsituationen und deren Anpassung nach der Erprobung durch eine erste Durchführung obliegt den einzelnen Bildungsgangkonferenzen, an denen auch Vertreter der Kammern, Eltern und Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Die Bildungsgangkonferenzen bilden in der Regel aus ihrer Mitte Arbeitsgruppen, in denen Lehrkräfte der betroffenen Fachkonferenzen vertreten sind. Auf der Grundlage bestehender Lehrpläne und Richtlinien akzentuiert die Arbeitsgruppe die Lerninhalte.

Die mit der Lernsituation verbundenen Inhalte und Ziele werden durch die Genehmigung in der Bildungsgangkonferenz verbindlicher Bestandteil der didaktischen Jahresplanung des Bildungsganges, die von den einzelnen Lehrkräften noch einmal für die einzelnen Klassen individuell umzusetzen ist.

Um dem erhöhten Abstimmungsbedarf, der durch die Fächervernetzung entsteht, zu begegnen, arbeitet bei der Durchführung das Lehrkräfteteam eng zusammen.

Unterstützt werden diese Bemühungen durch die Beteiligung an Modellversuchen und deren internen und externen Ergebnistransfer.

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2.2.4   Lehrerfortbildung

Erstellung und Durchführung schul-interner Lehrerfortbildungskonzepte zur Verbesserung des Berufsanforderungsprofils der Lehrkräfte

Das schulinterne Lehrerfortbildungskonzept des Eduard-Spranger-Berufskollegs, das maßgeblich durch eine fest installierte Arbeitsgruppe getragen wird, unterstützt das Kollegium bei seinem Anpassungsprozess an veränderte Rahmenbedingungen, die z. B. in der Notwendigkeit der Umsetzung neuer Lehr- und Lernmethoden, gesellschaftlicher Veränderungen, neuer Lerninhalte, weiterentwickelter beruflicher Anforderungen u. a. bestehen. Mit der Lehrerfortbildungskonzeption werden sowohl langfristige Entwicklungsziele verwirklicht als auch aktuelle Probleme behandelt. Die einzelnen Fortbildungsveranstaltungen sind in einem größeren thematischen Zusammenhang zu sehen.

Die Veranstaltungen orientieren sich an modernen Moderationsmethoden und dem Konzept der Handlungsorientierung. Wo es sich anbietet, werden externe Dozenten geladen. Die Reflexion und Evaluation erfolgt in der Arbeitsgruppe und im Kollegium.

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2.2.5   Qualitätssicherung

Entwicklung von Evaluationskriterien als Beitrag zur Qualitätsentwicklung und -sicherung im Eduard-Spranger-Berufskolleg

Es besteht ein permanenter, wechselseitiger Beziehungszusammenhang zwischen Evaluation und Qualität. Einerseits wird die Erhaltung des Status quo in den Bereichen, in denen bereits vorteilhafte Entwicklungen zu verzeichnen sind, gesichert, andererseits werden aber auch      Ideen und Tendenzen zukunftsorientiert weiter- und fortentwickelt. Diese Aufgaben übernehmen die einzelnen Bildungsgangkonferenzen. Sie sorgen für eine eigenverantwortliche Umsetzung. Die Schulleitung koordiniert die Gesamtentwicklung.

Das Ergebnis der Zielvereinbarung soll die Etablierung eines Evaluationskreislaufes sein. Der Arbeit in den Bildungsgangkonferenzen kommt dabei besondere Bedeutung zu. Die Ergebnisse fließen am Evaluationstag zusammen.

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2.3      Schulprofil

In der mehr als 115-jährigen Geschichte des kaufmännischen Schulwesens in Gelsenkirchen hat sich bei den Schülern und in der Öffentlichkeit ein Schulprofil des Eduard-Spranger-Berufskollegs entwickelt: dieses Schulprofil ist das Ergebnis[1] eines organischen Wachstumsprozesses; es ist situationsgebunden, personenabhängig und additiv strukturiert. Es kann als Ausdruck des pädagogischen Selbstverständnisses der Schule verstanden werden und lässt die Besonderheiten, Eigenarten und Traditionen der eigenen Schullandschaft erkennen.

Dieses Schulprofil lebt im Wesentlichen von zwei Eckpunkten: den Schülerinnen/Schülern und den Lehrerinnen/Lehrern. Verschiedene Auffassungen, unterschiedliches Selbstverständnis bei gegenseitiger Wertschätzung, eingebunden in die Tradition der kaufmännischen Ausbildung, sowie differierende Abhängigkeiten führen zu einem progressiven, dynamischen Lernprozess, der auf Innovation, also auf Veränderung und Entwicklung, abzielt. Er wird getragen von beiderseitiger Offenheit, Liberalität und Selbstbewusstsein.

 Als Beispiel für die Umsetzung des Schulprofils sei die Jubiläumsfeier „50 Jahre Schulgebäude Eduard-Spranger-Berufskolleg“ genannt. Unter dem Motto „Begegnung der Kulturen“ zeigte sich eine enge Verknüpfung von Anspruch und Wirklichkeit.

 Das Eduard-Spranger-Berufskolleg hat versucht, diese Eckpunkte seines Schulprofils in einem Schullogo zu symbolisieren:

              Erläuterungen zum Logo

 

 

In diesem Logo sind senkrechte Linien vorhanden, die zwischen den Buchstaben E und S, S und B, B und K verlaufen. Sie verbinden zwei Schwünge, die oberhalb und unterhalb des Kürzels ESBK das Logo durchschreiten und mit roten und blauen Akzenten besetzt sind.

Die Schwünge entstanden aus zwei    ehemaligen Reihen von Kästchen. Sie symbolisieren Dynamik. Die starren Fesseln der quadratischen Kästchen wurden im Entstehen der Schwünge gesprengt, alte Grenzen werden auf diese Weise als veränderbar bereits aufgeweicht dargestellt. Kaufmännische Tradition verbindet sich an dieser Stelle mit Veränderung und Entwicklung.

Die Wahl der Farben unterstreicht die Aussagen des Logos. Rot und Blau ergänzen die kaufmännische Schwärze des Kürzels und der Linien des karierten Papiers.

Tradition und Innovation, erfrischende Dynamik und beruhigende Verlässlichkeit, Offenheit und Verbundenheit mit der Umwelt, Liberalität und Selbstbewusstsein - dafür steht das Logo des Eduard-Spranger-Berufskollegs.

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[1]Vgl. dazu: Philipp, E. und Rolff, H.-G., Schulprogramme und Leitbilder entwickeln, Ein Arbeitsbuch, 2. Auflage, Weinheim und Basel 1999, Seiten ...

3.     Evaluation

Die Evaluation ist ein wichtiges Werkzeug für die Schulentwicklung und Qualitätssicherung.

Angewandt als prozessbegleitendes Selbstreflexions- und Feed-back-Ver-fahren stellt sie u. a. ein Steuerungs- und Kontrollinstrument zur Schulentwicklung und damit auch zur Schulprogrammentwicklung dar. Bereits in den Jahren 2000 bis 2002 haben wir am Benchmarking-Modellversuch des Landes NRW gemeinsam mit weiteren Berufkollegs und Studienseminaren teilgenommen. Die Befragungen und Auswertungen bezogen Schülerinnen und Schüler, Eltern, Ausbildungsbetriebe und Lehrkräfte ein. Mit der Durchführung waren die Ruhr-Universität Bochum und das Institut für Arbeit und Technik beauftragt. Anschließend  haben wir diesen Prozess entsprechend der schulischen Möglichkeiten eigenständig fortgesetzt. Dafür wurden zwei Assessoren vom Projektträger geschult.

Grundlage für eine fruchtbare Wechselwirkung ist dabei die Tätigkeit in den Bildungsgängen. Hier wird durch die Festlegung der Arbeit im anstehenden Schuljahr das Schulprogramm konkret ausgefüllt. Dieses Verfahren wird dokumentiert durch die Wechselwirkung von

Schulprogramm 

      

 

                    Evaluationsbericht.

Unverzichtbar ist dazu die Erarbeitung und der Einsatz von Verfahren zur Sammlung, Verarbeitung und Interpretation von Informationen zur schulischen Arbeit mit dem Ziel, zu gesicherten Beschreibungen, Bewertungen und damit zu effektiven Entscheidungen für die Weiterentwicklung des Schulprogramms zu kommen.

Durch diese prozessorientierte Vorgehensweise können neue Aufgaben und Problemstellungen entdeckt, fehlerhafte Entwicklungen aufgezeigt und für die Schule fruchtbare Innovationen ermöglicht werden.

Um der Gefahr einer “Betriebsblindheit” entgegenzuwirken, tritt zur Selbstevaluation eine externe Evaluation hinzu. Auch hier müssen Verfahren entwickelt werden, die die Selbstevaluationsergebnisse und Interpretationen kritisch hinterfragen.  

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[1] Schule in NRW, Schriftenreihe des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung in NRW, Heft 9016, Frechen 1997

[2]Vgl. dazu: Philipp, E. und Rolff, H.-G., Schulprogramme und Leitbilder entwickeln, Ein Arbeitsbuch, 2. Auflage, Weinheim und Basel 1999, Seiten ...

 

Unser Namensgeber: Eduard Spranger

Philosoph, Psychologe, Pädagoge

 * 27. Juni 1882 in Lichterfelde (heute Berlin) 

† 17. September 1963 in Tübingen

Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften

Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften

Mitglied des Ordens Pour le Mérite

„Es ist eine einseitige Auffassung, dass Bildung nur in wissenschaftlicher oder literarisch-ästhetischer Gestalt möglich sei. Zur Vollendung aber gehört auch eine beseelte Hand und ein gebildetes Herz, das heißt praktischer Sinn und gesellschaftliche Form, Menschenfreundlichkeit und Seelenkultur im tieferen, philosophisch-religiösen Sinne.“ (1929)

Eduard Spranger, Philosoph, Psychologe, Pädagoge, Dr. phil., Dr. phil. h.c. (Athen, Budapest, Padua, Freie Universität Berlin), Dr. jur. h.c. (Köln), Dr. rer. pol. h.c. (Wirtschaftshochschule Mannheim), wurde am 27. Juni 1882 in Berlin-Lichterfelde geboren, studierte an der Universität Berlin, besonders bei Dilthey und Paulsen, promovierte l905 und begann seine akademische Lehr­tätigkeit 1909 als Privatdozent in Berlin. 1911 folgte er einem Ruf nach Leipzig, wo er 1912 zum ordentlichen Professor für Philosophie und Pädagogik ernannt wurde. Von 1920 bis l926 gehörte er als Professor der Universität Berlin an. Noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges hielt er sich ein Jahr als Austauschprofessor in Japan auf. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 durch die Wi­derstandsbewegung um Graf Stauffenberg wurde er von den Nazis verhaftet und in das Gefängnis Moabit eingeliefert. Nach Kriegsende war er zunächst Rektor der Universität Berlin, wurde aber von den Kommunisten abgesetzt und musste die Stadt seines langjährigen Wirkens 1946 verlassen. Er nahm einen Ruf an die Universität Tübingen an und setzte dort seine Lehrtätigkeit fort. Spranger war Mitglied der Akademien der Wissenschaften Berlin, Heidelberg, Leipzig und Wien, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Goethe-Gesellschaft Weimar, Träger des Ordens Pour le mérite (Friedensklasse). Er starb 1963.

Die Titel der von Eduard Spranger verfassten Bücher, Abhandlungen, Aufsätze und Reden füllen mehrere Seiten.

Von ihnen haben folgende Schriften eine sehr große Wirkung gehabt: Lebens­formen. Geisteswissenschaftliche Psychologie und Ethik der Persönlichkeit, Go­tha 1921; 5. Aufl. Tübingen l950. - Psychologie des Jugendalters, 1924; 26. Aufl. Heidelberg l962.

Von Bedeutung für das Bildungskonzept der Berufsschule waren: der Vortrag »Allgemeinbildung und Berufsschule« l920 in Dresden, abgedruckt in: Die deutsche Fortbildungsschule, Jg. 29, S. 312-324. - Berufsbildung und Allge­meinbildung, in: Alfred Kühne: Handbuch für das Berufs- und Fachschulwe­sen, Leipzig 1922, S. 24-38.

Einen Überblick über die Geschichte der Berufsschule gibt Spranger in seiner Abhandlung »Zur Geschichte der Berufsschulpflicht«, in: E. Spranger: Zur Ge­schichte der deutschen Volksschule, Heidelberg l949, S. 64-96.

Ein Zeugnis, wie nachhaltig und weitreichend die Persönlichkeit und das Werk Eduard Sprangers ausgestrahlt und gewirkt haben, dürfte die Festschrift zu sei­nem 75. Geburtstag darstellen. 77 führende Persönlichkeiten - Gelehrte, Politi­ker, Schriftsteller, Erzieher, Künstler - berichten darin von ihren Begegnungen mit dem Jubilar: Wenke, Hans (Hrsg.): Eduard Spranger. Bildnis eines geistigen Menschen unserer Zeit. Zum 75. Geburtstag dargebracht von Freunden und Weggenossen, Heidelberg 1957.

Zusammengestellt von Richard Müller-Landua (Herr Müller-Landua unterrichtete von 1984 bis 1999 die Fächer Deutsch und Kath. Religion am ESBK).

 

 

Grußwort des Pädagogen, Kulturphilosophen und Psychologen Eduard Spranger aus Anlass der Namensgebung der kaufmännischen Berufsschule in Buer.


Repro: Privat

 

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