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Der Visionär mit Tatkraft:

ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Schule der Zukunft

„Jede Schule hat eine Schulleiterin oder einen Schulleiter, die oder der zugleich Lehrerin oder Lehrer ist“, so lautet der erste von neun Absätzen der Bestimmungen des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes zur Schulleitung. Auf insgesamt neunzehn Seiten des Kommentars zum Schulgesetz werden die Aufgaben beschrieben, die mit dieser Position verbunden sind – eine enorme Arbeitsdisziplin, klare Zielvorstellungen und ein hohes Maß an Integrität sind persönliche Voraussetzung dafür.

Mit unserem Schulleiter, Herrn Oberstudiendirektor Hans-Georg Katzmarzik, verlässt uns eine solche Persönlichkeit und damit gleichzeitig ein Kollege, ein Lehrer aus Leidenschaft und ein Mensch, der sich bei der Übernahme der Schulleitung im August 1990 das Ziel gesetzt hat, in Gemeinschaft mit dem Kollegium und den dualen Bildungspartnern die Chancen junger Menschen aus der Region auf ein sinnerfülltes Berufsleben nachhaltig zu erhöhen und die Schule zu einem Ort der Begegnung zu machen.

Wie geht das, zugleich Lehrer und Leiter zu sein? Den Schülern ein Vorbild und Vertrauter, den Kollegen ein Kollege und Vorgesetzter und den Bildungspartnern ein Vertreter der Institution Schule und inspirierender Partner? Wie schafft man es,  diese einander scheinbar widerstrebenden  Ansprüche zugleich zu erfüllen? Auf diese Frage antwortete Herr Katzmarzik mit zwei Begriffen, die sein Arbeitsmotto waren: Vertrauen und Kooperation.

Sein Vertrauen ins Kollegium ist ablesbar an der erfolgreichen Bildungs- und Erziehungsarbeit des Eduard-Spranger-Berufskollegs, das vom Berufsgrundbildungsjahr bis hin zum Wirtschaftsgymnasium alle Vollzeit-Schulformen anbietet und im dualen Bereich sieben Ausbildungen durchführt. Etwa 2000 junge Menschen besuchen zur Zeit unsere Schule, die mittlerweile aus allen Nähten platzt. Den Neubau, den wir dem unermüdlichen Einsatz Herrn Katzmarziks zu verdanken haben, haben wir mehr als nötig.

Kooperation, sein zweites Motto, ist am ESBK auf allen Ebenen zu finden: innerhalb des Kollegiums in zahlreichen Arbeitsgruppen, zwischen Kollegium und Leitung und in ganz besonderem Maße mit den Bildungspartnern außerhalb der Schule, ein  Bereich, den Herr Katzmarzik sehr erfolgreich gepflegt hat.

Stellvertretend für die Vernetzung von Erziehung und Bildung stehen seine Miturheberschaft  des GeBeNet (Schulform übergreifendes Gelsenkirchener Beratungsnetzwerk) oder sein Vorsitz im Beirat des EU-Projektes „Lernende Region Emscher-Lippe – Programmvertiefung II – Bereich Kommunale Kooperation“ der Stadt Gelsenkirchen.

Ab 1991 war Herr Katzmarzik Vorsitzender der Konferenz Berufskollegleitungen und der Seminarleitung in der Emscher-Lippe-Region. Außerdem trug er zur Konzeptentwicklung zur interkommunalen Schulentwicklungsplanung und der Neuordnung der berufsbildenden Schulen der Region bei. Er war auch ständiges Mitglied in Gremien der IHK Nord Westfalen und kooperierte mit der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der Zahnärztekammer  Westfalen-Lippe, der Apothekerkammer und dem DGB.

Seine Mitarbeit in den verschiedenen Verbänden und Institutionen brachten ihm zahlreiche Ehrungen ein, so die Ehrennadel in Gold der IHK, die Ehrennadel in Silber der Ärztekammer, die Ehrennadel in Silber der deutschen Zahnärzteschaft der Bundeszahnärztekammer. Eine besondere Auszeichnung war die Ehrung Herrn Katzmarziks als verdiente Persönlichkeit des Schullebens durch Frau Ministerin Barbara Sommer im Oktober 2008.

Der Einblick in die vielfältigen Kooperationsaktivitäten bliebe einseitig, ließe man das internationale Engagement Herrn Katzmarziks außer Acht. Ab 1992 arbeitete er an der Umsetzung der „Gemeinsamen Erklärung“ des Kultusministeriums Nordrhein-Westfalen und des russischen Bildungsministeriums über die Zusammenarbeit im Bildungswesen mit.

Die Vereinbarung des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft von 1992 flankierte die Zusammenarbeit mit Russland. Hier entstand das mehrjährige Projekt zur Entwicklung des Ausbildungsberufs des „Ökonomischen Referenten“.   Zeitversetzt wurde  Bildungsberatung für die Länder Estand, Lettland und Litauen durchgeführt.

Dazu kamen Bildungsberatung für polnische Lehrkräfte, philippinische Ordensschwestern und ein Einsatz als Bildungsreferent in China während der Zeit, in der Herr Katzmarzik in die Bezirksregierung Münster beordert war. Auch nach seinem Weggang wird uns ein lebendiges Beispiel seiner Bestrebungen, die Schule international zu öffnen, bleiben: die spanische Gastlehrerin Frau Rancaño, die mit seiner Unterstützung im August 2008 zu uns kam.

Es gibt noch weitere Bereiche  der Kooperation, die Herr Katzmarzik  eröffnet hat: insgesamt fünf Modellversuche mit den Kurzbezeichnungen Lernbüro, Kolorit, KUS, MOSEL und ZUBILIS. In diesen Projekten fungierte er als Geschäftsführer oder  stellvertretender Projektleiter. Außerdem unterstützte er eine Ordnungspartnerschaft mit der Polizei und den Präventionsrat der Stadt Gelsenkirchen.

Die vorangegangenen Aufzählungen sind alles andere als vollständig und doch zeigen sie schon die Intensität der Bemühungen um die Öffnung der Schule nach außen, die Absicht, sie   mit dem Blick in die Zukunft für Europa zu öffnen. 

Woher er die Kraft für seine vielfältigen Aktivitäten nahm, erklärte er auf einfache Weise: die Schüler seien seine „perspektivgebende Kraft“ gewesen. Die Begegnung mit den jungen Menschen habe ihn inspiriert, er habe seine Funktion als Lehrer immer als integralen Bestandteil seiner Leitungstätigkeit betrachtet. Es sei wichtig für ihn gewesen,  neben seiner Verwaltungstätigkeit auch unmittelbar als Erzieher und Lehrer zu wirken.

Vor diesem Hintergrund habe er im Zielkonflikt, gleichzeitig Leiter und Kollege zu sein, beherzter handeln können. Der Mensche stehe im Vordergrund, nicht die Funktion, betonte er. Ihm sei es immer wichtig gewesen, das Kollegium so weit wie möglich in seine Entscheidungen mit einzubinden,  die kleinen und großen Konflikte des Schulalltags zu reduzieren und die Arbeitsbedingungen „sozial verträglich“ zu gestalten.

Die Herausforderung, nach einer so intensiven Zeit des beruflichen Engagements loslassen zu können und Abstand vom Berufsalltag zu nehmen, nimmt Herr Katzmarzik mit einiger Gelassenheit an. In seinen eigenen Worten formulierte er es so: mit seiner Wahl zum Schulleiter vor achtzehneinhalb Jahren habe er ein Versprechen auf Zeit abgegeben, nun gewinne er eine neue Freiheit.

Im Laufe des Gespräches erinnerte er an die Gewohnheit in seiner Kindheit und Jugend, am Ende eines Tages das eigene Tun zu reflektieren, „einen Tag harmonisch abschließen“, nannte er dies. Über dreißig Jahre zunächst als Lehrer und  dann als Schulleiter am ESBK -  für diese lange Zeitspanne wünschen wir ihm eine mindestens ebenso lange Zeit der Muße und guter Erinnerungen!