Ein Interview mit zwei Schülern der AH 12 und dem Schulleiter des Eduard-Spranger-Berufskollegs aus Gelsenkirchen-Buer Herrn Oberstudiendirektor Hans-Georg Katzmarzik M. A.

 

11.11.2004
Schlüsselqualifikation

Der "Tag der Medienkompetenz" im Landtag NRW: "Nur wer sicher mit Medienangeboten umgeht und ihre Inhalte richtig bewertet, wird sie zu seinem Vorteil nutzen können", sagen die Organisatoren.

Medienkompetenz ist... "schwierig zu sagen", meint zunächst Thomas, 19 Jahre, Berufskollegschüler aus Gelsenkirchen, dann, "es geht um viel mehr als nur um Medienkompetenz, es geht um Kompetenzen im Berufs- und Schulleben." "Lernen lernen, selbständig arbeiten, verschiedene Medien kennen und nutzen", führt Mitschülerin Jana, 18 Jahre, aus. "... ist der Querschnittszugriff eines Menschen auf alle Informationen, die ihn lebensbegleitend tangieren", definiert Schulleiter Hans-Georg Katzmarzik. "... das an Informationen herausfiltern, was notwendig und was Müll ist", fasst Reinhard Schweichel, 51 Jahre alt, Seniorbotschafter aus Marl knapp zusammen. Gemeinsam mit Essener Gymnasiasten und Abgeordneten des Düsseldorfer Landtages haben sie über zukünftig erforderliche Kompetenzen diskutiert und damit das Symposium des Medienkompetenztages im Landtag NRW mit vorbereitet. Doch zunächst tummeln sich an diesem 9. November alle noch auf der Ausstellung, die seit morgens die Pforten geöffnet hat.

Die Ausstellung


ZEUS ist ein medienpädagogisches Projekt der Journalistenschule Ruhr in Essen. © ecmc GmbH

Dreißig Aussteller auf zwei Etagen, alle aus NRW, alle Institutionen oder Projekte rund um Medienkompetenz von Netzwerken über Internetportale zu Stiftungen, Schulen, Werkstätten und Radio- und Fernsehstationen. Jeder hat hinter sich am Stand eine illustrierende Stellwand. Jeder hat vor sich auf dem Tisch einen Laptop, das die eigene Homepage zeigt. Petra Hammer, Berufsschullehrerin aus Leverkusen, ist begeistert. Für ihre Schule und eine Jugendwerkstatt hat sie Adressen und Informationen gefunden. Aussteller und Fachleute schätzen den Austausch. Lieblos dekoriert, wenig informativ, schlicht langweilig, lautet dagegen das Urteil einer Schülergruppe aus Herford. "Außer Fernsehen läuft hier gar nichts", kritisiert der 17jährige Marius.

Das Symposium

Es ist 14 Uhr, die Schüler gehen in den Plenarsaal, das Symposium beginnt. Die Standkamera ist in Position gebracht und fokussiert den Rednerplatz. Der Präsident des Landtags begrüßt das Auditorium, die Vorsitzende des Medienausschusses spricht über die Bedeutung des Themas, der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses, der sich zum ersten Mal am Kompetenztag intensiv beteiligt, freut sich über das große Interesse und das junge Publikum im Saal, die Medienstaatsekretärin weist auf die Chancen und Risiken der sogenannten neuen Medien hin. Vierzig Minuten sind um. Die Reden dauern noch an. Nur wenige Schüler tuscheln, die Aufmerksamkeit scheint groß zu sein.

Medienkompetenz im Gespräch

14.56 Uhr, eine technische Panne unterbricht die Videoeinspielung. Das Publikum lacht erleichtert und wirkt wie aufgewacht aus einer Starre. 15.02 Uhr, Thomas und Jana vom Berufskolleg Gelsenkirchen gehen zusammen mit Senior Schweichel aus Marl und zwei Gymnasiasten nach vorne.


© ecmc GmbH

Thomas und Jana haben sich im Zeitungsprojekt ihrer Schule engagiert, haben an den AG-Treffen im Landtag teilgenommen, mit den anderen Schülern diskutiert, mit den Parlamentariern debattiert. "Es war fruchtbar", bilanzieren sie.

Konkret schlagen sie Schülerfirmen vor, um verschiedene Kompetenzen zu fördern. Ihre Lehrer waren begeistert von ihrem Engagement, ihren Recherchen, ihren Artikeln. Die Zusammengehörigkeit sei gewachsen, die Diskussionen in der Schule, unter Schülern und zu Hause habe zugenommen. Etliche Fähigkeiten seien erworben und geschult worden. Davon ist hier nichts zu hören. Sie mussten sich auf fünf Thesen beschränken. Jeder liest eine vor. Danach gehen sie wieder auf die Plätze. Jeder AG geht es so, ob zum Thema zukünftige Kompetenzen, Computerspiele oder Lernen: Zehn Minuten, fünf Thesen. Gefordert werden Fortbildung der Lehrer, Förderung selbstständigen Lernens, adäquate, aktuelle Ausstattung, Kooperation mit externen Partnern.

Vieles blieb ungesagt


Ministerpräsident Peer Steinbrück mit Besuchern.
© ecmc GmbH

15.38 Uhr, Pause. Thomas und Jana sind enttäuscht. Ihre ganze Arbeit von Wochen gepresst in Thesenform. "Wir hatten jeder gerade mal zwei Minuten. Die längste Rede der Politiker vor uns dauerte über zwanzig Minuten." Sie haben genau mitgezählt.

16.13 Uhr, die Pause ist vorbei und das Auditorium nur noch zur Hälfte besetzt. Die medienpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen eröffnen die Diskussion, betonen den chancengleichen Zugang zu den Medien, die Notwendigkeit der fortdauernden Beschäftigung, appellieren an das freiwillige Engagement, verweisen auf die politischen Zuständigkeiten. Es wird versprochen, die Debatte im Landtag fortzuführen.

17 Uhr, die Standkamera wird abgebaut. Fazit: Die Diskutanten befürworten die Veranstaltung, den Austausch. "Wir haben unser möglichstes getan", sagen die Schüler, jetzt werden sie genau beobachten, was bei ihnen an den Schulen ankommt. Nominell hat die Veranstaltung schon gewonnen. 1.000 hatten sich für den ersten Veranstaltungstag angemeldet. Das waren doppelt so viel wie vergangenes Jahr.

Cordula Diehm

Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung der Verfasserin eingestellt. Gleichnamiger Artikel und weitere Informationen finden Sie unter:

 

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